Sapere aude! Nokia als Gewissenfrage
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Moralkolumnist Rainer Erlinger macht im heutigen SZ Magazin Nokia zur Gewissensfrage. Er fordert die Befreiung aus der “selbst verschuldeten Konsumunmündigkeit”. Und weiter: “Die tägliche Stimmabgabe an der Kasse hat vermutlich mindestens so viel Gewicht wie die alle vier Jahre im Wahllokal. Machen Sie von Ihrer finanziellen Freiheit Gebrauch: Wenn Ihnen das Geschäftsgebaren der Firma Nokia missfällt, sollten Sie bei diesem Unternehmen nichts kaufen – mit derselben Berechtigung, mit der Sie einer Partei Ihre Stimme geben oder verweigern. Mit Kant fordert Erlinger: “Habe Verstand, Dich Deiner eigenen Kaufkraft zu bedienen.”
Erlingers Gedankengang findet sich auch bei dem Wirtschaftswissenschaftler Birger Priddat in der Zeit vom 28.12.06: »Der Normalfall der individuellen moralischen Markierung von Gütern tritt so heterogen auf, dass er im Markt nicht signifikant wird.« Individuelle moralische Bewertungen begleiten ständig den Konsum, aber weil sie so verschieden sind, heben sie einander auf und werden nicht bemerkt. »Sie bleiben vor allem deshalb statistisch unauffällig, weil statistisch kaum danach gefragt wird.« Politischen Konsum gibt es längst, er wirkt nur nicht, weil die politischen Konsumenten nicht recht an ihre Macht glauben und deshalb nicht konsequent nach ihren Vorstellungen handeln. Verstünden wir aber Einkaufen wie Wählen, wäre das anders.”
Theoretisch ist also alles geklärt. Ich würde zu gerne wissen, ob Nokia weniger Handys in Deutschland verkauft.


Hallo,
schaut man sich mal in diversen Foren die Haltung der Konsumenten zu solchen Skandalen wie Nokia oder aktueller LIDL an, so hat man oftmals das Gefühl, dass die Kunden sich ihrer Macht nicht wirklich bewusst sind. Dort herrscht eine eher fatalistische Haltung vor, gepaart mit Frustration und teilweise schon fragwürdiger Agression.
Trotzdem oder gerade deshalb sind solche Aufrufe von Erlinger oder von Claudia Roth, wie im LIDL-Fall (http://blog.kerstinplehwe.de/glaubwurdigkeit/wenn-unternehmen-ihren-mitarbeitern-nicht-vertrauen) wichtig und alles andere als nur populistisches Gehabe, da die Konsumenten auf ihre Macht hingewiesen werden müssen.
Ansonsten wird die Fackel des “bösen Unternehmens” einfach nur durchgereicht und am Ende kaufen doch alle wieder Nokia-Handys bei LIDL.