„Wer nicht über seine Mittel lebt, leidet an Fantasiemangel“

Timothy Ferriss leiht sich die Worte Oscar Wildes als Einleitung seiner ganz persönlichen Geschichte. Er war lange Zeit praktizierender Workaholic. Bis ihn im Juni 2004 die Erkenntnis packt dass er aus dem erfolgreichen Managerleben ausbrechen muss, um nicht überzuschnappen wie dereinst Howard Hughes. Ein Einweg Flugticket bringt ihn nach Europa. Er erlebt am ersten Morgen seiner neuen Freiheit einen Nervenzusammenbruch und beschließt in Europa sein „Diplom in Automatisierung und Experimentaler Lebensweise“ zu machen.

MBA (Management by Absence) heißt das Credo des erfolgreichen Unternehmers heute und damit schlachtet Ferriss die heilige Kuh der modernen Erfolgsmanager: Die Dauer der Anwesenheit im Office bestimmt direkt proportional die Bedeutung der eigenen Person.

Die provokanten Denkanstöße kommen mit trockenem Humor und unglaublichen Anekdoten daher. Ferriss gewinnt als Folge einer Wette unter anderem in der Chinesischen Meisterschaften im Kickboxen eine Goldmedallie, weil er die Regeln studiert und deren Prinzipien auf den Kopf stellt.

Einige der Ratschläge sind nicht grundsätzlich neu, doch Ferriss formuliert sie unverschämt direkt:

„Lesen Sie Ihre Emails nur noch einmal die Woche eine Stunde.“ Er propagiert die konsequente Informationsdiät. Und nutzt konsequentes Outsourcing und Delegieren als Weg in die neue Freiheit. Er nutzt indische Fachleute, die seine Aufträge über Nacht erledigen genauso konsequent, wie neue Technologien für einen völlig neuen Lebensstil.

So reiste Timothy Ferriss 2004 fünfzehn Monate durch die Welt, und erlebte, dass er seine Firma tatsächlich in vier Wochenstunden führen kann. Dabei lernte er Deutsch in Berlin, trat als Statist in chinesischen Soaps auf und übte in Argentinien Tango bis zum Guiness-Buch-Eintrag.

Im Buch „Die 4-Stunden Woche“ stellt er einige der fundamentalen Fragen:
In welcher Weise hält Sie realistisches oder verantwortungsbewusstes Denken davon ab, das Leben zu führen, dass Sie sich wünschen?
Schauen Sie sich an und fragen Sie sich: Was würde passieren, wenn ich das Gegenteil von dem täte, was alle andern Leute machen? Was opfere ich, wenn ich die nächsten fünf, zehn, 20 Jahre so weitermache wie bisher?

Es geht Ferriss um die Verwirklichung der Träume. Ganz neben bei bemerkt kann der Traum auch ein teures Auto sein (Was würde ich gerne haben, sein, tun?). Ferriss kommt zu der Grundsatzfrage „Wie kann man frei und unabhängig sein, ohne eine Million zu haben?

Eine Freundin von mir hat sich im Dezember die Frage anders gestellt: Was würde ich mit einer Million Euro tun?
Sie hat noch immer keine Million. Und sie hat Ihren 60 Stunden-Job an den Nagel gehängt und studiert Musik. Sie hat festgestellt, dass sie dafür gar keine Million braucht.

Beginnen Sie mit einer einwöchigen Medienfastenkur. Keine Zeitungen, keine Zeitschriften, keine Nachrichtenseiten im Internet, kein Fernsehen (außer wenn Sie mögen täglich eine Stunde zur Unterhaltung).

Lesen Sie das Buch. Und fangen Sie an, sich die richtigen Fragen zu stellen.

~ von netztaucherin am April 23, 2008.

Eine Antwort to “„Wer nicht über seine Mittel lebt, leidet an Fantasiemangel“”

  1. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber ich bin wirklich neugierig.
    Mit den Grundideen bin ich einverstanden, mit den konkreten Aussagen nicht immer. „Mails nur einmal pro Woche lesen“ – klingt gut, aber das hängt auch vom Job ab, und ob man einen Sekretär hat. Für viele wäre schon „zweimal pro Tag“ ein großer Schritt. :)
    Outsourcing und Delegieren sind sicherlich vernünftige Sachen. Der Maß hängt auch davon ab, wie viel Geld zur Verfügung steht.

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