Blutgrätschen überall?
„Der Trainer als Vorbild hat großen Einfluss darauf, ob die Spieler bereit sind, gegen Fairnessnormen – und damit auch gegen Gerechtigkeitsprinzipien – zu verstoßen.“ Im Wissensteil der SZ erläutert Nikolas Westerhoff heute „Die Logik der Blutgrätsche“ und die „Doppelmoral im Fußball“ . Leistung geht im Wettkampf vor Fairness lautet das Fazit.
Spontan drängt sich mir die Idee auf, dass es sich hier um einen grundsätzlichen Mechanismus der menschlichen Psyche handelt, mit dessen Hilfe sich auch das Verhalten der Spieler in Unternehmen übertragen lässt. Gerade wo sich Manager heute gerne als Coach ihres Teams definieren.
Sportpsychologe Hartmut Gabler hat laut SZ herausgefunden: Je größer der Wettkampfcharakter, desto unbedeutender werden Fragen der Fairness.
Ist das der gleiche Mechanismus der Manager in Unternehmen dazu bringt, Gesetze zu brechen? Schaffen Vorstände und deren Vorsitzende Normen abseits des Rechts, in dem sie mangelhaftes Vorbild sind? Ist es das falsche Vorbild, dass leitende Mitarbeiter dazu bringt, durch Bestechung an jene Aufträge zu kommen, die dann an der Börse für gute Stimmung bei der Bewertung der Aktie sorgen.
8 von 10 Jugendlichen Fußballern würden foulen, wenn die Mannschaft Abstiegs-bedroht wäre.
Es wird kolportiert, dass seit dem deutschen Sommermärchen gerne auch deutsche Unternehmen Fuballtrainer als Berater buchen. Auf dem Platz, wie in vielen Unternehmen, sind die Regeln eindeutig. Wer nach oben will muss schon mal richtig hinlangen, oder wie ein Manager jüngst Heinrich von Pierer bei gericht zitierte: „ein Soldat sein“.
Wenn an der These von der Vergleichbarkeit von Fußball und Unternehmen was dran ist, dann müssen Vorstände gar keinen expliziten Auftrag geben. Engagierte Mitarbeiter würden von sich aus aktiv, sobald ihnen entsprechende Verhaltensnormen geboten scheinen. Dann werden Grundrechte verletzt und im Fall der Fälle Vorstände, Aufsichtsräte und Journalisten abgehört.
Siemens Chef Löscher hat übrigens in der letzten Hauptversammlung vollmundig erklärt, die Vorstände in seinem Laden “coachen” jetzt nicht mehr, sondern trügen ab sofort wieder selbst die Verantwortung. Auch die Antwort darauf kommt aus der Mannschafts-Kabine: Dieser Weg wird kein leichter sein.
Doch die laufende EM weist auch hier in die Zukunft: Vielleicht sollte man auch Manager, die ihre Verantwortung als Lippenbekenntnis vor sich her tragen künftig auf die Tribüne setzen und für das nächste Spiel sperren.
~ von netztaucherin am Juni 17, 2008.
Veröffentlicht in Authentizität, Corporate Social Responsibility, Kommunikation, Kultur, Management, Unternehmenskultur, Verantwortung
Schlagworte: Blutgrätsche, Ethik, Fußball und Management, Logik der Blutgrätsche, Normen für Manager, Siemens


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